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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Liliput

Seltene Kleinschreibmaschine,
hergestellt von Justin Wm. Bamberger & Co.
in München.

Erscheinungsjahr: 1907
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Liliput (ab 1907)   Nächste Maschine>
     



 

Anfang 1907 brachte die "Justin Wm. Bamberger & Co." in München die "Liliput" auf den Markt. Bamberger hatte etwa um 1900 in München mit einer kleinen Reparaturwerkstatt begonnen und handelte mit gebrauchten Schreibmaschinen. 1903 brachte er das von ihm konstruierte einfache Rechengerät "Omega" heraus. Im Jahr 1904 nahm er einen Geldgeber als Gesellschafter in sein Unternehmen auf und firmierte nunmehr mit dem Zusatz "& Co.". Gleichzeitig übernahm er die Generalvertretung der in den USA hergestellten Schreibmaschine "American", die er in Deutschland - wenig erfolgreich - unter der Bezeichnung "Europa" verkaufte. Die ab 1907 folgende "Liliput" war eine eigene Konstruktion von Justin Wilhelm Bamberger.

Wie bereits aus der Bezeichnung "Liliput" hervorgeht, handelte es sich um eine Kleinschreibmaschine. Kennzeichnend für diese Eintastermaschine war eine runde, außen gelochte Scheibe mit einem Knauf in der Mitte. Jedes Loch war einem Zeichen zugeordnet, das darüber abgedruckt war. An der Unterseite der Scheibe waren am Rand ringförmig die Typen angebracht. Vor der Scheibe befand sich ein kleiner feststehender Zeiger und darunter ein Metallstift.

Das gewünschte Zeichen wurde mit dem Knauf vor den Zeiger gedreht. Beim Herunterdrücken des Knaufs wurde die Scheibe durch den Stift, der dann in das entsprechende Loch ragte, arretiert und das gewählte Zeichen kam im "Oberaufschlag" zum Abdruck.

Das Papier befand sich aufgerollt unterhalb der Typenscheibe (vgl. Abbildungen ganz unten). Von dort wurde es über die Walze, die ausschließlich dem Papiertransport diente, über einen dahinter befindlichen "Amboss" geführt, auf dem der "Aufschlag" der Type erfolgte. Ein Farbröllchen färbte die Typen beim Drehen der Scheibe ständig ein. Als einzige Taste war eine Leertaste vorhanden.




 



 

Abbildung oben: Querschnittzeichnung der "Liliput" (Seitenansicht).

Abbildung unten: Ansicht der "Liliput" von vorn.




 



 

Von der "Liliput" wurden mehrere Modelle herausgebracht. Neben der Normalausführung "Modell A" gab es "Modell B" als Kinderschreibmaschine. Hinzu kamen als besonders kleine Maschine das Modell "Minima", sowie als Maschine mit Umschaltung das Modell "Duplex". Zuletzt wurde noch das Modell "Excelsior" gebaut. Die Verkaufspreise lagen zwischen 3,75 Reichsmark und 58 Reichsmark.




 


Bei der hier vorgestellten "Liliput" handelt es sich um eine Maschine des Typs "A", mit der 84 verschiedene Zeichen geschrieben werden konnten.

Diese Maschine wurde nach Frankreich exportiert und ist daher französisch mit "Machine à écrire" (Schreibmaschine) beschriftet.




 
 

Bamberger betrieb für die "Liliput" einen großen Werbeaufwand (Abbildung rechts: Zeitungsanzeige in 1908). Um Herstellung und Vertrieb der Maschinen finanzieren zu können, gründete er im Jahr 1908 mit einem weiteren Gesellschafter die "Deutschen Kleinmaschinen-Werke" die zuletzt unter Beteiligung zahlreicher Kommanditisten als Geldgeber in der Rechtsform einer KG geführt wurden.

Trotz aller Bemühungen blieb der Verkaufserfolg der "Liliput" nur bescheiden und das Unternehmen war ständig in Geldnot. Die "Liliput" wurde bis etwa 1909 hergestellt.




 
 

Mitte 1909 brachten die "Deutschen Kleinmaschinen-Werke" eine von Justin Wilhelm Bamberger neu konstruierte Typenzylindermaschine heraus, die "Helios". Wegen der chronischen Liquiditätsschwierigkeiten wurde - nach dem Scheitern von Sanierungsbemühungen - die Produktion der neuen Maschine an die "Kanzler-Schreibmaschinen AG" in Berlin vergeben. Für den Vertrieb der "Helios" gründete Bamberger noch in 1909 die "Helios Schreibmaschinen GmbH", aus der er jedoch bereits 1910 ausschied. Auch die "Helios" war für Bamberger wirtschaftlich zum Mißerfolg geworden. Die neu gegründete Vertriebsgesellschaft wurde schon 1912 liquidert, ebenso die verschuldete "Deutsche Kleinmaschinen-Werke KG". Auch die "Kanzler-Schreibmaschinen AG" fand in 1912 ihr Ende. Produktion und Vertrieb der "Helios" wurde ab 1914 von der Metallwarenfabrik A. Ney in Berlin fortgeführt, die die Maschine unter der Bezeichnung "Helios-Klimax" verkaufte.




 
Liliput (ab 1907)    
     



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Liliput
Technik: Eintastermaschine mit Typenscheibe, Oberaufschlag
Besonderheiten: Machine à écrire (Exportausführung für Frankreich)
Erscheinungsjahr: 1907
Hersteller: Justin Wm. Bamberger & Co., München
Konstrukteur: Justin Wilhelm Bamberger
Seriennummer: 7781


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Weitere Maschinen des Konstrukteurs
Justin Wilhelm Bamberger:
Helios-Klimax, Liliput Duplex
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Quellen: Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; The Typewriter History & Encyclopedia, Typewriter Topics, New York 1923; Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinenfabriken, Band 2, Verlag Kunstgrafik Dingwerth GmbH, Delbrück 2008; Adler, The Writing Machine, Georg Allen & Unwin Ltd., London 1973

(138S702112-0908-15.09.2008-1008-1109-1211-0815)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1013-1-3058)