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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Merritt

Amerikanische Eintastermaschine
mit einzelnen Schriftlettern, auch als
"Geheimschriftmaschine" verwendbar.

Erscheinungsjahr: 1889
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Merritt (ab 1889)   Nächste Maschine>
     



 

Die "Merritt", benannt nach ihrem Erfinder, gehört zu den frühen amerikanischen Zeigermaschinen. Sie kam im Jahr 1889 auf den Markt. Nachdem sie zunächst kurze Zeit vom Erfinder selbst - von der Merritt Manufactoring Company - in Springfield, USA hergestellt worden war, wurde sie dann von der Lyon Manufactoring Company in New York produziert.

Einige Merkmale der Maschine sind besonders erwähnenswert. Die "Merritt" hatte 78 einzelne Lettern aus Metall, die in einer mit einem Einstellknopf versehenen, in einer Schiene nach links und rechts verschiebbaren Typenstange unter der Walze aufgereiht waren.

Davor befand sich eine Skala mit 26 Schlitzen, die zur Auswahl des gewünschten Zeichens dienten. Auf der Skala waren die Schriftzeichen in zwei Reihen (oben die Buchstaben, unten die Ziffern und sonstigen Zeichen) nach der Häufigkeit ihrer Verwendung aufgeführt. Die häufiger gebrauchten Zeichen befanden sich in der Mitte der Skala, während die seltener gebrauchten Zeichen links und rechts außen zu finden waren.

Die 78 Lettern waren auf der Typenstange in einer einzigen Reihe nebeneinander angeordnet. Zunächst kam jeweils ein großer Buchstabe, dann der dazugehörige kleine Buchstabe und anschließend eine Ziffer bzw. ein Interpunktionszeichen, dann kamen in gleicher Folge die nächsten Zeichen. Mittels zweier Umschalttasten wurde die Einstellskala seitlich verschoben, und zwar beim Betätigen der Taste "CAP'S" (Großbuchstaben) um eine Zeichenbreite nach links und beim Betätigen der Taste "FIG'S/CHAR'S" (Ziffern/Zeichen) um eine Zeichenbreite nach rechts. Durch diese Einstellmethode konnte die Anzahl der Schlitze auf ein Drittel der Anzahl an Zeichen beschränkt werden, wodurch die Einstellskala kleiner gehalten werden konnte und gleichzeitig übersichtlicher war. Pro Schlitz konnten so mit Hilfe der doppelten Umschaltung drei verschiedene Zeichen eingestellt und geschrieben werden.


Abbildung unten: Lettern der Typenstange, Farbröllchen, viereckige Typenführung, Leertaste, Umschalttasten, Skala mit Einstellschlitzen, Einstellknopf.




 



 

Zum Schreiben nahm man den Einstellknopf mit der rechten Hand und führte ihn nach links oder rechts zum gewünschten Schriftzeichen der Einstellskala. Damit wurde die Typenstange in Druckposition gebracht. Gleichzeitig wurden die Typen durch zwei links und rechts der Typenführung befindliche Farbröllchen eingefärbt. Falls erforderlich wurde mit der linken Hand eine der beiden Umschalttasten betätigt.




 

Wenn man jetzt den Einstellknopf nach unten in den entsprechenden Schlitz drückte, wurde die entsprechende Schriftletter durch die viereckige Typenführung von unten gegen die Walze gepreßt (Abbildung rechts).




 
 

Die "Merritt" ist also der Kategorie der Unteraufschlagmaschinen zuzurechnen, bei denen sich das Geschriebene zunächst an der Unterseite der Walze befand. Zum Sichtbarmachen war sie mit einem klappbaren Wagen ausgestattet. (Abbildung rechts: Maschine mit hochgeklappten Wagen und herausgenommener Typenstange.)




 
 

Durch die feststehende Typenführung war die Zeilengeradheit bei der "Merritt" sehr zuverlässig. Ein schnelles Schreiben war jedoch, wie bei den meisten Zeigermaschinen nicht möglich.

Eine Besonderheit der "Merritt" waren die Schriftlettern der Typenstange, die einzeln auswechselbar waren. Da sie leicht in beliebiger Reihenfolge eingesetzt werden konnten, konnte die "Merritt" zum chiffrieren von Schriften verwendet werden. Eine derart verschlüsselte Schrift konnte dann nur derjenige übersetzen (dechiffrieren), der den "Einordnungsschlüssel" kannte oder den Text mit einer Maschine abschrieb, bei der die Schriftlettern umgekehrt so eingeordent waren, daß bei Anschlag eines Zeichens des chiffrierten Textes das ursprüngliche Zeichen abgedruckt wurde.

Setzte man also beispielsweise an der Stelle der Typenstange, an der sich normalerweise das "A" befand ein "Z" ein, beim "B" ein "Y" usw. so wurde, wenn man auf der Zeichenskala das "A" auswählte, beim Anschlag ein "Z" geschrieben, statt "B" ein "Y" usw. Der geschriebene Text erschien auf dem Blatt somit chiffriert. Wenn nun der Empfänger des so chiffrierten Schreibens die Lettern der Typenstange seiner Maschine nach dem "Einordnungsschlüssel" umgekehrt so zuordnete, daß bei Auswahl des "Z" auf der Zeichenskala das "A" geschrieben wurde, bei "Y" das "B" usw., erschien beim Abschreiben des chiffrierten Textes die Schrift auf dem Papier dann wieder dechiffriert. Die "Merritt" war damit eine der ersten "Geheimschriftmaschinen".

Die "Merritt" wurde zum Preis von 15 Dollar verkauft. Sie wurde etwa zehn Jahre hergestellt, dann wurde die Produktion eingestellt.




 
Merritt (ab 1889)    
Seitenansicht, Wagen hochgeklappt Papierblech Rückseite



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Merritt
Technik: Zeigermaschine mit Typenstange, Unteraufschlag, Farbröllchen-Einfärbung
Besonderheiten: Auswechselbare Lettern, chiffriertes Schreiben möglich
Erscheinungsjahr: 1889
Hersteller: Lyon Manufactoring Company, New York, USA
Konstrukteur: Merritt
Seriennummer: 6176




 
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Weitere Maschinen:
The Virtual Typewritermuseum (Niederlande)
Juan Ramon Garcia (Spanien)
SLK Typewritermuseum (Finnland)
Early Office Museum (USA)
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Quellen: Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Dingwerth, Historische Schreibmaschinen, Verlag Dingwerth, Verl 1993

(087S600910-1106-12.11.2006-0807-0408-0615)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1113-1-2879)