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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Taylorix

Umgerüstete "Torpedo 6" Schreibmaschine
zur Verwendung als nicht rechnende Buchungs-
maschine für Buchführung System "Taylorix".

Erscheinungsjahr: 1935
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Taylorix (ab 1935)   Nächste Maschine>
     



 

Die Taylorix GmbH & Co. wurde 1922 in Stuttgart als Vertriebsunternehmen für Buchführungsbedarf von den Gesellschaftern Dr. Stiegler und Haußer gegründet. Der Papierlieferant Kohl wurde Kompagnon. Benannt wurde das deutsche Unternehmen nach dem deutsch-amerikanischen Unternehmensreformer Frederick Winslaw Taylor (1856-1915), der die Behauptung aufgestellt hatte, bei richtiger Organisation sei alles in der Hälfte der Zeit zu machen. Da Taylor mit seiner These damals für viele deutsche Unternehmer ein Begriff war, nutzten die Gründer von "Taylorix" den bekannten Namen für ihre Firma.

Die hier vorgestellte Maschine kam um 1935 auf den Markt. Taylorix ließ von den Torpedo-Werken Rödelheim AG (zur Unternehmensgeschichte der "Torpedo-Werke" siehe unter "Torpedo 4") deren Typenhebel-Schreibmaschine "Torpedo 6" mit einem erweiterten Dezimaltabulator und insbesondere mit einer von Taylorix erfundenen Einzugsvorrichtung für Kontokarten ("Contofix") versehen und verkaufte die so umgerüstete Schreibmaschine als Buchungsmaschine unter der eigenen Marke "Taylorix".

Ansonsten war die "Taylorix" völlig baugleich mit der "Torpedo 6". Sie hatte 46 Schreibtasten in vier Reihen, sowie einfache Umschaltung (Segmentumschaltung), so daß insgesamt 92 verschiedene Zeichen im Vorderaufschlag geschrieben werden konnten. Oberhalb des Schreibtastenfeldes befand sich anstelle der bei der "Torpedo 6" sonst üblichen vier Tabulatortasten eine Reihe mit zehn Tasten für den Dezimaltabulator. Damit war es leicht möglich, in verschiedene Spalten, die an der Rückseite des Wagens mit Reitern an einer Zahnstange eingestellt werden konnten, jeweils rechtsbündig Zahlenkolonnen zu schreiben. Bei Druck der entsprechenden Tabulatortaste wurde der Wagen bei Zahlen bis 10 Millionen jeweils an der Stelle angehalten, an der die erste Ziffer zu schreiben war, so daß die Zahlen in der jeweiligen Spalte rechtsbündig ausgerichtet wurden, wie es bei der Buchführung erforderlich ist.




 



 

Zur Verbuchung wurde in die Maschine zuunterst das Journal eingespannt, so daß die nächste freie Zeile als Schreibzeile eingestellt war. Das jeweils zu bebuchende Sach- oder Personenkonto wurde dann in die Einsteckvorrichtung eingeführt und so ausgerichtet, daß die nächste freie Zeile des Kontos beschrieben wurde. Mit der Verbuchung auf dem Konto wurde so der gesamte Buchungstext mitsamt Betrag auf die darunterliegende Zeile des Journals durchgeschrieben. Damit war jeder Buchungsvorgang doppelt erfasst, nämlich einmal auf dem Konto und einmal im Journal. Nach jeder Buchung wurde mit dem Zeilenschalthebel das Journal und gleichzeitig die Kontokarte um eine Zeile nach oben befördert.

Es konnten in Karteiform beiliebig viele Konten angelegt werden, gegliedert in Sachkonten (Bestands- und Erfolgskonten) und Personenkonten (Kunden- und Lieferantenkonten). Die Buchungsspalten auf den Konten und im Journal waren so positioniert, daß anhand des Journals jederzeit der vorläufige Gewinn bzw. Verlust ermittelt werden konnte.

Im übrigen hatte das Journal, in das sämtliche Buchungsvorgänge fortlaufend durchgeschrieben wurden, insbesondere Abstimmungs- und Kontrollfunktion. Es verblieb bis zur vollständigen Bebuchung einer Journalseite in der Maschine, während die Kontokarte je nach Buchungssatz soweit erforderlich gewechselt wurde.

Da es sich bei der hier vorgestellten Maschine trotz Umrüstung um eine, wenn auch modifizierte Schreibmaschine handelte, war ein automatisches Rechnen der gebuchten Beträge nicht möglich. Sowohl Konten als auch Journale mußten daher in einem gesonderten Arbeitsschritt addiert bzw. saldiert werden.




 

Die Taylorix GmbH & Co. mit ihren Gesellschaftern Stiegler, Haußer und Kohl ist durch die von Dr. Stiegler entwickelte Konto-Buchführung mit Durchschrift in das Journal bekanntgeworden.




 

Das Taylorix-Buchführungssystem war ursprünglich als Hand-Durchschreibebuchführung entwickelt worden (vgl. Ausschnitt aus einem Werbeprospekt rechts). Die neuartige Durchschreibebuchführung revolutionierte die Geschäftsbuchführung, die bislang meist im "Amerikanischen Journal" erfolgte, in dem die Verbuchung in zahlreichen nebeneinander angeordneten Spalten erfolgte. Gerade bei einer umfangreicheren Buchführung wurde dieses System schnell unübersichtlich. Die Durchschreibe-buchführung in Kontoform führte dagegen zu einer wesentlichen Verbesserung der Übersichtlichkeit bei gleichzeitiger Verringerung des für die Buchführung erforderlichen Zeitaufwands.




 
 

In der ersten Hälfte der 1930er Jahre beauftragte Taylorix dann die Frankfurter Torpedo-Werke, Schreibmaschinen umzurüsten und mit der von Taylorix erfundenen Kontoeinzugsvorrichtung "Contofix" zu versehen. Damit konnte die Taylorix-Durchschreibebuchführung erstmals auch maschinell erstellt werden. Die umgerüsteten Maschinen wurden von Taylorix unter dem eigenen Namen vertrieben.

Im Jahr 1939 hatte die Taylorix-Zentrale in Stuttgart 48 eigenständige Bezirksstellen in ganz Deutschland aufgebaut. Nach Kriegsende 1945 reduzierte sich die Anzahl auf 44 Bezirksstellen in der Bundesrepublik.




 
 



 

Im Jahr 1963 brachte Taylorix den "Fixomat" auf den Markt, eine bekannte und lange Zeit führende elektromechanische Buchungsmaschine für die Finanz- und Lohnbuchführung, hergestellt vom schwedischen Rechenmaschinenhersteller Odhner.




 
 

Im Jahr 1966 wurde das Taylorix-Rechenzentrum in Stuttgart errichtet, bei dem u. a. Steuerberater - ähnlich wie bei der DATEV - extern ihre Mandantenbuchhaltungen auswerten lassen konnten. Auch für andere Unternehmen, die ihre Daten selbst erfassten, erfolgte hier die externe Datenverarbeitung. Taylorix entwickelte nun Software, insbesondere für den Bereich Finanz- und Lohnbuchhaltung. Ab 1970 führte Taylorix ein- und mehrplatzfähige Abrechnungssysteme ein; die Hardware hierzu lieferten Triumph-Adler und Digital Equipment. 1978 beschäftigte Taylorix 1.400 Mitarbeiter.

Mit dem Erscheinen kostengünstiger PCs in den 1980er Jahren wurde eine externe Datenverarbeitung sowohl für Steuerberater als auch für andere Unternehmen mehr und mehr uninteressant. Die bisherigen Kunden verarbeiteten ihre Daten jetzt intern im eigenen Büro, woduch das Taylorix-Rechenzentrum nicht mehr ausgelastet war. Der Vertrieb der Taylorix-Buchführungsgeräte wurde wegen des Preisverfalls der Personalcomputer eingestellt.

Im Jahr 1988 wurde Taylorix in eine AG umgewandelt, deren Aktienmehrheit die Porsche Holding in Salzburg hielt. 1994 verkaufte die Porsche Holding ihre Beteiligung an den amerikanischen ADP Konzern, der zunächst über die "Taylorix Software und Service GmbH" Softwarelösungen für Steuerberater, Handel und Handwerk anbot. Im Jahr 1999 übernahm ADDISON die Vermarktung der entwickelten Software und der Name Taylorix verschwand.




 
   
   



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Taylorix
Technik: Typenhebelmaschine mit Vorderaufschlag u. einfacher Umschaltung
Besonderheiten: "Torpedo 6"-Maschine mit Dezimaltabulator und Vorsteckaufsatz zur Verwendung als nicht rechnende Buchungsmaschine für Durchschreibebuchführung System "Taylorix"
Erscheinungsjahr: 1935
Hersteller: Torpedo-Werke AG Rödelheim
Vertrieb: Taylorix GmbH & Co., Stuttgart
Konstrukteur: Herbert Etheridge (Torpedo 6)
Seriennummer: 224296
Baujahr: 1935


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Weitere Torpedo-Maschinen: Torpedo 4, Torpedo 5, Torpedo Schnelladdiermaschine (Rechenmaschine)
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Weitere von Herbert Etheridge konstruierte Maschinen:
Bar-Lock 16
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Quellen: Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Seifert, Taylorix GmbH & Co., Computermuseum München, www.computermuseum-muenchen.de 2006

(084SX00040-ET00016-1006-29.10.2006-0107-0112)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1113-1-6588)