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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Sholes & Glidden Type Writer

Erste Typenhebelmaschine,
die auf den Markt kam.
Vorgängerin der "Remington".


Erscheinungsjahr: 1874
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Sholes & Glidden Typewriter (ab 1874)   Nächste Maschine>
     



 

Christopher Latham Sholes (1819-1890)
und Carlos Glidden (1834-1877)

konstruierten zusammen mit Samuel W. Soulé in den USA die erste auf den Markt gekommene Typenhebelmaschine. Die drei Erfinder hatten sich in einer Werkstätte in Milwaukee (Wisconsin) kennengelernt, in der sich Glidden bereits mit Erfindungen beschäftigte und in der auch die beiden Buchdrucker Sholes und Soulé tätig waren. In den Jahren 1867 und 1868 ließen sie nacheinander drei Schreibmaschinenmodelle patentieren.




 
 

Abbildunng oben: Christopher Latham Sholes
Abbildung rechts: Carlos Glidden

Da Sholes, Glidden und Soulé nicht genügend Kapital für eine eigene Serienproduktion und Vermarktung ihrer Erfindung hatten, übertrugen sie die Herstellungs- und Vertriebsrechte unter Vermittlung und Mitfinanzierung von James Densmore 1873 an die Nähmaschinen- und Gewehrfabrik Remington & Sons in Ilion, NY, USA, und die Produktion der Schreibmaschine begann.




 
 

Die Maschine wurde ab 1874 unter der Bezeichnung "Sholes & Glidden Type Writer" verkauft. Ab 1877 wurde sie dann nach dem Hersteller als "Remington No. 1" bezeichnet.




 



 

Die "Sholes & Glidden" hatte keine Umschaltung. Sie hatte 44 Tasten, mit denen nur Großbuchstaben geschrieben werden konnten. Die Tastenfolge dieser sog. Urtastatur ("QUERTY ...") ist im wesentlichen unverändert noch heute bei der Computertastatur zu finden (in Deutschland "QWERTZ ...").




 



 

Der Einsatz eines mehrreihigen Tastenfelds ist dem deutschen Einwanderer Mathias Schwalbach aus Marlberg (Rheinland) zu verdanken, der eine Uhrenfabrik betrieb, in deren Werkstatt die Modelle der Schreibmaschinen gebaut wurden. Auch mit Schwalbach hatte Sholes ein gemeinsames Patent angemeldet (Abbildung oben rechts). Das frühere Modell von Sholes, Glidden und Soulé sah noch Tasten ähnlich denen eines Klaviers vor (Abbildung oben links).




 
 

Die Typenhebel der "Sholes & Glidden" hingen in einem kreisförmigen Typenhebelkorb nach unten. Beim Tastenanschlag schlugen sie von unten gegen die Schreibwalze und brachten das gewählte Zeichen zum Abdruck (Unteraufschlag). Die Maschine hatte einen klappbaren Wagen. Um das Geschriebene sehen zu können, mußte dieser angehoben werden (Abbildung rechts). Das Schreibpapier wurde von zwei Riemen, die an beiden Enden der Walze über Rollen liefen von unten, sowie von einer Andruckrolle von hinten gegen die Walze gedrückt. Die Andruckrolle war aus Holz, ebenso die Tastenhebel der Maschine.




 
 



 

Die "Sholes & Glidden" wurden einzeln handwerklich angefertigt. Die Gehäuse der frühen Maschinen hatten hübsche handgemalte Verzierungen mit unterschiedlichen Motiven und Farben, so daß anfangs jede Maschine ein "Unikat" war.


Die ersten Maschinen waren auf einem Nähmaschinentisch montiert und hatten ein Fußpedal, mit dem über einen Seilzug die Wagenrückführung betätigt wurde, zusammen mit einem Rad, das sich an der rechten Seite der Maschine befand (Abbildung rechts).




 
 

Das Pedal wurde nach kurzer Zeit durch einen langen Hebel an der rechten Seite der Maschine ersetzt, der zur Rückführung des Wagens mit der Hand heruntergedrückt wurde (Abbildung rechts).




 
 


Schließlich wurde für die Wagenrückführung ein Hebel, der gleichzeitig als Zeilenschalter diente, am Wagen selbst angebracht, eine Technik, die bei allen folgenden Schreibmaschinen bis in die heutige Zeit angewandt wurde.




 



 

Bei der hier vorgestellten Maschine handelt es sich um eine "perfektionierte" Sholes & Glidden. Remington bot den Käufern der frühen Modelle um 1877 in einer Art "Rückrufaktion" eine Überarbeitung ihrer Maschinen an. Der damalige Besitzer dieser "Sholes & Glidden", Baujahr 1875, hat offenbar von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, worauf vom Hersteller verschiedene Teile der Maschine ausgetauscht und durch verbesserte Teile ersetzt wurden. Als Hinweis auf die durchgeführte Modernisierung wurde von Remington vor der Seriennummer der Maschine anschließend nachträglich ein "A" eingestanzt.


Im Jahr 1878 kam als Nachfolgemodell der "Sholes & Glidden" die "Remington 2" auf den Markt, die weltweit erste Maschine mit Umschaltung, mit deren Hilfe auch Kleinbuchstaben geschrieben werden konnten. Insgesamt waren bis dahin seit 1874 etwa 5.000 "Sholes & Glidden Typewriter" -zuletzt unter der Bezeichnung "Remington 1"- hergestellt worden. Nur wenige Exemplare sind heute noch erhalten.




 
   
   



 
     
     



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Sholes & Glidden Type Writer
Technik: Typenhebelmaschine mit Unteraufschlag
Besonderheiten: Urtastatur, Handbemaltes Gehäuse
Erscheinungsjahr: 1874
Hersteller: Remington & Sons, Ilion, NY, USA
Konstrukteure: Christopher Latham Sholes,
Carlos Glidden, Samuel W. Soulé
Seriennummer: A 1212
Baujahr: 1875




 
 
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Weitere Maschinen:
Powerhouse Museum (Australien)
Science Museum (England)
The Virtual Typewritermuseum (Niederlande)
Schreibmaschinenmuseum Stefan Beck (Schweiz)
Museu de la Tècnica de l'Empordà (Spanien)
Early Office Museum (USA)
Fernando Costa (Brasilien)
Juan Ramon Gracia (Spanien)
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Weitere von Remington hergestellte Schreibmaschinen:
Remington 2, Remington 7, Remington Portable,
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Quellen: Burghagen, Die Schreibmaschine, Verlag der Handels-Akademie, Hamburg 1898; Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Adler, The Writing Machine, Georg Allen & Unwin Ltd., London 1973; Kunzmann, Hundert Jahre Schreibmaschinen im Büro, Merkur-Verlag, Rinteln 1979; Dickerson/Hoke, The Manufacturing History of the Sholes and Glidden typewriters, Milwaukee/WI, USA 1985; James, Old Typewriters, Shire Publications Ltd., Buckinghamshire 1993

(156S816597-1109-16.11.2011-1111-1112)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1112-3-4569)