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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Picht

Frühe Blindenschreibmaschine
für Blinde wie für Sehende,
zum Schreiben in "Klarschrift".

Erscheinungsjahr: 1910
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Picht (ab 1910)   Nächste Maschine>
     



 

Oskar Picht, geboren am 27.05.1871 in Pasewalk als Sohn eines Bäckermeisters, war Blindenlehrer. Um 1910 wurde er Direktor der Provinzial-Blindenanstalt in Bromberg, anschließend ab 1920 Direktor der Staatlichen Blindenanstalt Berlin-Steglitz. Picht hatte sich bereits früh mit dem Leben von Blinden beschäftigt und 1899 eine der bekanntesten Blindenschreibmaschinen konstruiert, für die er im Jahr 1907 auf der internationalen Schreibmaschinenausstellung in Venedig die Goldmedaille erhielt und die eine weltweite Verbreitung fand. Sie hatte sieben Tasten und diente zum Schreiben der von Louis Braille (1809-1852) erfundenen Punktschrift (Braille-Schrift), deren Zeichen in das Papier gestanzt wurden und die von Blinden durch Ertasten mit den Fingern gelesen werden konnten. Hergestellt wurde diese Maschine nach den von Picht erstellten Plänen von Wilhelm Ruppert in Berlin.




 
 

Im Jahr 1910 brachte Picht eine zweite Maschine heraus, die hier vorgestellt wird. Diese Maschine versetzte Blinde in die Lage, "Klarschrift" zu schreiben, die von Sehenden gelesen werden konnte. Diese "Picht" (auch "Picht-Bromberg") hatte ein Tastfeld mit den erhabenen Punkten der Braille-Schrift, auf dem Blinde den gewünschten Buchstaben mit der rechten Hand ertasten und gleichzeitig mit einem in gerader Linie verschiebbaren Zeiger einstellen konnten. Dabei wurde das Typenrad mittels einer Zahnstange ausgerichtet.




 

Mit dem Daumen der linken Hand wurde daraufhin unter Zuhilfenahme des Zeigefingers, der gegen eine Stütze gedrückt wurde, die (einzige) Schreibtaste betätigt, worauf die entsprechende Klarschrift-Type des Typenrads im Vorderaufschlag auf die Walze geschlagen wurde. Dabei wurde das Typenrad an einem Farbröllchen vorbeigeführt und eingefärbt.




 
 

Das Typenrad hatte drei Reihen mit Typen. Um alle Buchstaben schreiben zu können, waren zwei Umschalttasten vorhanden, bei deren Betätigung das Typenrad zum Abdruck der Großbuchstaben und Ziffern um eine bzw. zwei Reihenhöhen angehoben wurde.

Die Schreibtaste funktionierte als Leertaste, wenn man bei ihrer Betätigung (mit dem Daumen der linken Hand) gleichzeitig mit dem Zeigefinger der linken Hand einen davor befindlichen kleinen Hebel andrückte. Rechts vor der Walze war die Rücktaste, die die Walze um eine Buchstabenbreite zurück beförderte, wenn man die "Leertaste" wie zuvor beschrieben mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand festhielt und gleichzeitig mit der rechten Hand die Rücktaste betätigte.

Die hier vorgestellte "Picht", die von Herde & Wendt in Berlin hergestellt wurde, konnte auch von Sehenden als "normale" Schreibmaschine benutzt werden.




 

Oberhalb der Brailleschrift-Tastatur befand sich eine Zeichenskala in Klarschrift, mit deren Hilfe auch Schreiber, die die Blindenschrift nicht beherrschten, mit dem Zeiger den gewünschten Buchstaben auswählen und zu Papier bringen konnten.




 
 

Die Klarschriftskala der abgebildeten Maschine hat ein Vorbesitzer offenbar zur Verbesserung der Lesbarkeit nachträglich anbringen lassen. Wenn man sie abnimmt, findet man darunter die Skala im vorherigen, abgenutzten Zustand (vgl. Abbildung rechts).




 
 

Mit der "Picht" konnten 84 verschiedene Zeichen geschrieben werden. Der Kaufpreis für eine Maschine lag bei 68 Reichsmark.

Die von Oskar Picht entwickelten Schreibmaschinen waren für zahlreiche Blinde eine große Hilfe. Oskar Picht starb am 18.05.1945 in Bergholz-Rehbrücke.




 
Picht (ab 1910)    
Umschalttasten, Schreibtaste Skala in Klarschrift und in Braille-Schrift Rückseite



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Picht
Technik: Zeigermaschine mit Typenrad, Vorderaufschlag, Farbröllchen-Einfärbung
Besonderheiten: Blindenschreibmaschine (Eingabe nach Braille-Schrift oder Klarschrift, Ausgabe in Klarschrift)
Erscheinungsjahr: 1910
Hersteller: Herde & Wendt, Berlin
Konstrukteur: Oskar Picht, Berlin-Steglitz
Seriennummer: 13600


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Quellen: Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Kunzmann, Hundert Jahre Schreibmaschinen im Büro, Merkur-Verlag, Rinteln 1979; Hahn: Picht, Oskar (Kirchhof Bergholz-Rehbrücke), Märkische Allgemeine Zeitung v. 18.05.2005

(142(
086)S600723-1006-02.11.2006-1106-0408-0909)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1113-1-3138)